Die Schweizer Pioniere des Paganmetal – ein Interview mit Münggu Drachentöter

Wir bei redpipes verfolgen Deine musikalischen Aktivitäten ja schon länger und natürlich sind wir auch etwas stolz auf die Erfolge, die unsere redpipe mit Dir feiern darf.

Vielen Dank, ich bin stolz, dass ich so ein tolles Instrument mein Eigen nennen darf!!

Excelsis gibt es ja nun schon seit 1996 und hat schon sechs  Alben herausgebracht, wenn ich das richtig sehe. Die Band gehört damit wohl schon zu den Pionieren der Paganmetal Szene – zumindest in der Schweiz oder?

Ja, wir haben 6 Alben heraus gebracht und 2 akustische Alben. Nächstes Jahr feiern wir unser 20 jähriges Bandbestehen, mit einem Festival. Eigentlich gibt es uns schon seit 1995. In diesem Jahr brachten wir – damals machte man so was noch – ein Demotape heraus. Das mit den Pionieren der Schweizer Folk- Paganmetal Szene haben wir schon öfters gehört und sind ehrlich gesagt auch ein klein wenig stolz drauf! Als wir im ersten Album Dudelsack (eine Dudelsack-Gruppe) , Didgeridoo oder Blockflöten eingesetzt haben, konnten einige Metalheads dies schon nicht wirklich begreifen. Andere jedoch waren wirklich begeistert von diesem Mix. Und heute hat diese Szene schon sehr sehr viele Anhänger – nicht zuletzt natürlich dank den riesigen Erfolgen, die Eluveitie feiert.
Diese Umstände halfen uns extrem und so kam es, dass das Jahr 2013 zu einem der besten Jahre von Excelsis wurde und wir sogar in die Schweizer Hitparade einzogen.

Eigentlich sind wir immer der Meinung gewesen, dass wir, wenn wir in die Hitparade kommen würden, aufhören würden, Musik zu machen, weil dann etwas nicht mehr stimmen würde. Naja…wie sich Zeiten ändern!

Wie bist Du überhaupt zur Musik und dann zum Dudelsack gekommen?

Mein Cousin, dem ich den ganzen Schlamassel zu verdanken habe, schenkte mir 1983 eine Iron Maiden Scheibe (ich glaube es war Piece of Mind), und da war es um mich geschehen. Ich bin im übrigen noch heute großer Maiden – Fan! Um 1989 entdeckte ich Blind Guardian und diese Band bestimmte für längere Zeit meine Einflüsse in Sachen Musik. So waren die früheren Excelsis – Alben noch mehr Powermetal lastig. Für mich gab es keine andere Band, die es vermochte, Fantasy (ich bin auch seit 1985 ein J.R.R. Tolkien – Jünger) mit melodiösem Speed-Metal zu vermischen.
Mit einem Kumpel reiste ich via Zug durch Europa und zuletzt blieben wir im schönen, rauen Schottland hängen für einige Zeit. Schottland und seine Geschichten interessierten mich und natürlich auch die Bagpipes. Aber irgendwie, wollte es damals nie so richtig klappen mit dem Kauf eines Dudelsacks. Zum Glück aber arbeitete ich später in einer Firma mit einem Typen zusammen, der Dudelsack spielte und plötzlich hatte mich das Virus gepackt.

Was sind die wichtigsten musikalischen Einflüsse für Dich gewesen, als Du selbst begonnen hast, Musik zu machen?

Wie schon erwähnt waren es Iron Maiden, Blind Guardian und Co.!
Später kamen Skyclad mit ihrem 1991 erschienen Album the Wayward Sons of Mother Earth dazu – aus meiner Sicht die Gründer des Folk Metals, die mich sehr inspiriert haben und mich noch bis heute prägen. Martin Walkyier mischte damals Metal mit traditionellen folkloristischen Elementen. Weiterhin bin ich, seit dem Film Rain Man, ein Bewunderer von Hans Zimmer und seinen Filmmusik–Kompositionen.

Heute hast Du mit Deinem Helvetic Folkmetal und Excelsis internationale Erfolge, Ihr bespielt große Hallen und Festivals mit anderen namhaften Bands der Folkmetal-Szene wie Eluveitie, Koorpiklani, Finntroll, Sepultura, In Extremo. Wie hat sich die Folkmetal-Szene seit der Gründung von Excelsis verändert?

Es hat sich viel verändert. Das sieht man allein schon an unserem Chart–Einzug, was vor einigen Jahren für uns und nicht vorstellbar war. Die Folkmetal Szene erfährt meiner Meinung nach gerade eine Art Renaissance. Ich glaube die Leute sehnen sich nach Abwechslung von der heutigen, „intensiven“ Welt und versuchen, dem ganzen ein wenig zu entfliehen. Mittelaltermärkte oder – Ausstellungen sind immer besser besucht und das merkt man auch in der Folkmetal Szene. Was früher eine Nische gewesen ist, wird langsam aber sicher zu einem sehr wichtigen und relativ grossen Genre.

Alle Eure Alben bis auf das erste verarbeiten historische Schweizer Heldengeschichten. Wie kam es dazu?

Da einige von uns Tolkien, andere wiederum schottische und keltische Geschichten gelesen haben, entstanden die verschiedenen Themas auf unserem ersten Album.
Damit wir uns aber besser mit unseren Songs identifizieren konnten, beschlossen wir
beim zweiten Album über „Kurt of Koppigen“ (eine Sage von einem bekannte verstorbenen Schriftsteller aus unserer Gegend – Jeremias Gotthelf) zu schreiben.
Man konnte die in der Sage vorkommenden Gegenden und Schauplätze besuchen, um die Stimmungen ein bisschen aufzunehmen und sich inspirieren zu lassen. Je mehr wir diese Geschichten und Sagen lasen, desto mehr Faszination und Achtung hatten wir und so einigten wir uns, dass wir mit diesen Geschichten weitermachen werden. Als wir beim Iron Savior – Rock Hard Contest den ersten Platz mit dem Song „The Dragonslayer“ gewinnen konnten, nannte uns ein Magazin „die Emmentaler Drachentöter“ was noch immer unser Slogan ist.
Das kommende Album, dass übrigens 2015 erscheinen wird, ist thematisch auch unserer Umgebung, dem Emmental, gewidmet.

Excelsis ist ja nicht Dein einziges musikalisches Projekt. Unter dem Namen ‘SchtiereGring’ widmest Du Dich mehr der Mittelaltermusik, die Dich ja schon länger fasziniert. Auf der CD ‘Liedli us der Gägend’ nimmst Du den Zuhörer ja gewissermaßen mit auf eine Reise durch die Landschaft in der Du lebst. Wie wichtig ist Heimat für Dich?

Die Heimat ist für mich sehr wichtig. Ich habe das Gefühl, obwohl auch ich schon oft umher gereist bin, dass Leute um die ganze Welt „ fliegen“ um so viel wie möglich zu sehen und zu erleben, dabei aber nicht einmal wissen, was es in ihrer unmittelbarer Umgebung alles zu sehen und was es an interessantem Wissen und spannenden Geschichten gibt!
Mit SchtiereGring möchte ich genau dies weitergeben. Es freut mich immer wieder, wenn ich ein Mail oder eine Nachricht von jemanden bekomme, in der mir jemand mitteilt, dass er den Bachtelenbrunnen (einen kleinen Quell-See, versteckt in einem Waldgebiet in unserer Gegend) beim dritten Versuch gefunden habe, mir die ganze Story seines „Abenteuers“ mitteilen will oder aber, dass doch einfach der Weg das Ziel war.


Wie bist Du auf die redpipe aufmerksam geworden und was hat Dich an dem Instrument am meisten überzeugt?

Ich besitze eine GHP, eine Kitchen Pipe und eine Schweizer Sackpfeife.
Es sind alles sehr gute Instrumente, allerdings habe ich immer wieder Probleme mit der Stimmung und der passenden Tonlagen zusammen mit der Band. Auch waren die Temperaturunterschiede auf Konzerten ein großes Problem. Mit der Redpipe ist dies alles kein Thema und man kann ohne Sorgen spielen, da sie sehr zuverlässig ist.
Am meisten überzeugt mich die Flexibilität der Pipe, sei es in Sachen Tuning oder auch bezüglich der Sounds sowie der diversen Einstellungsmöglichkeiten. Kein langes Stimmen mehr vor jeder Show! Außerdem überzeugt die Verarbeitung und die manuelle Herstellung.
Ich besitze eine Redpipe Metal und eine Redpipe Caledonia. Und… vielleicht, lieber Rolf & Bigy, könnt ihr noch einen Uilleann Pipe Sound ins Programm nehmen…dann könnte man ja noch Nummer Drei erwerben!?

Du spielst jetzt seit rund vier Jahren eine redpipe metal. Inwieweit hat sich Deine Musik/ Dein Musizieren durch den Einsatz der redpipe verändert?

In Sachen Live Konzerte hat sich sehr vieles geändert. Wie oben erwähnt, das Stimmen, sowie das Verstimmen der Pipe ist kein Thema mehr. Die Zuverlässigkeit der Redpipe live ist sehr hoch. Auch müssen wir die Songs nicht mehr der Pipe anpassen sondern sind frei von Tonhöhen und Lagen.
Ein wichtiger Punkt ist auch meine Frau. Ihr gefällt es bestimmt besser, wenn ich mit einer Redpipe und einem Kopfhörer übe, als mit der GHB!

Münggu – Emmentaler Drachentöter

www.excelsis.ch (Swiss FolkMetal since 1996)
www.schtieregring.ch (die etwas andere Folk – Musik)
www.munisieche.jimdo.com (Bagpipes, Beats & Cajon)

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